Wohncafés als Fixpunkte in Wohnquartieren

Wohncafés als Fixpunkte in Wohnquartieren

Der Verein Integrative Wohnformen e.V. feierte diesen November im Kursaal Bad Cannstatt sein 10-jähriges Bestehen.

Der Verein Integrative Wohnformen e. V. feierte diesen November im Kursaal Bad Cannstatt sein 10-jähriges Bestehen mit Vertretern aus der Wohnungswirtschaft, der freien Wohlfahrtspflege und mit dem Sozialbürgermeister der Stadt Stuttgart, Werner Wölfle. Außerdem lud der Verein zum Jubiläum zu Tagen der offenen Tür in die Stuttgarter und Esslinger Wohncafés ein.

14 Stuttgarter Wohnungsunternehmen gründeten 2008 den Verein Integrative Wohnformen e. V., um Wohnprojekte für Senioren/-innen und Menschen mit Behinderung im Großraum Stuttgart ins Leben zu rufen. Auch die Bau- und Heimstättenverein Stuttgart eG gehört zu den Gründungsmitgliedern. Die Mitgliedsunternehmen sehen ihre gesellschaftliche Verantwortung unter anderem darin, für das Wohl von Mieter/-innen mit und ohne Assistenzbedarf zu sorgen sowie die Entwicklungen in ihren Wohngebieten positiv zu beeinflussen.

Das gemeinsame Ziel der Vereinsmitglieder lautet: Ältere Menschen sollen so lange und so gut wie möglich in der eigenen Wohnung und in ihrem gewohnten Stadtteil leben können. Neben der qualitativ hochwertigen und kundenorientierten Versorgung soll eine optimale soziale Wohnqualität erreicht werden, die der Gefahr der Vereinsamung entgegenwirkt.

Das ganz besondere und landesweit einmalige ist, dass der Zusammenschluss von vielen Wohnungsunternehmen ganz neue Möglichkeiten und Chancen für die zukünftige Entwicklung in den Projekten bietet. Inzwischen sind auch Wohnungsunternehmen aus Esslingen am Neckar und Kirchheim unter Teck Mitglied bei Integrative Wohnformen e. V., der wiederum Mitglied im Paritätischen Wohlfahrtsverband ist. Der Verein ist das Bindeglied zwischen Wohnungswirtschaft, ambulanten Dienstleistern, Menschen mit und ohne Assistenzbedarf sowie engagierten Ehrenamtlichen. Zweck des Vereins ist laut Satzung die Förderung der Altenhilfe, die Förderung der Hilfe für Menschen mit Behinderung sowie die Förderung des bürgerschaftlichen Engagements.

Alles begann in Stuttgart-Freiberg

Die zusammenhängenden Wohnungsbestände der Mitgliedsunternehmen bieten die besten Voraussetzungen für quartiersbezogene Projekte. Immerhin rund 30.000 Wohneinheiten in Stuttgart und im Landkreis Esslingen bewirtschaften die aktuell 14 Mitgliedsunternehmen. Alexandra Schäfer, über neun Jahre Vorstandsvorsitzende von Integrative Wohnformen e. V., erinnert an die Anfangstage: „Die Eröffnungsveranstaltung in der Wallensteinstraße 29a in Stuttgart-Freiberg war ein voller Erfolg und uns wurde schnell klar, dass wir einen Verein gründen, um weitere Quartiersprojekte auf solide Beine zu stellen.“

Im November 2008 wurde dann der Verein Integrative Wohnformen gegründet. Die beteiligten Wohnungsunternehmen – alle haben eine soziale, gemeinschaftliche Entstehungsgeschichte und waren bis zur Steuerreform 1990 gemeinnützig – sahen mit der Vereinsgründung die Chance, auf den demografischen Wandel in ihren Wohnquartieren zu reagieren und mehr zu unternehmen, als bloßen Wohnraum zur Verfügung zu stellen. durch den Verein werden vor allem hilfsbedürftige Mieterinnen und Mieter mit dem Ziel unterstützt, so lange wie möglich in ihrem eigenen Zuhause und in ihrem vertrauten Quartier zu wohnen. Zum Teil mehr als 35 Prozent der Mieterschaft sind heute schon älter als 60 Jahre. Und der Ruf nach Inklusion für Menschen mit Behinderungen in der Gesellschaft wird immer lauter.

Beliebte Treffpunkte: Wohncafés

Flankierend zu den barrierearmen Quartiersprojekten, die von professionellen Pflegedienstleistern betreut werden, setzt Integrative Wohnformen e. V. erfolgreich auf das Angebot in den Wohncafés. Mittlerweile gibt es in Stuttgart acht und in Esslingen vier Wohncafés. Sie alle sind wie ein erweitertes Wohnzimmer, ein zwangloser Treffpunkt, der vor allem von älteren Bewohnern des jeweiligen Quartiers gerne genutzt wird, aber auch Familien mit Kindern anspricht. Im Wohncafé Giebel beispielsweise gibt es im Sommer Grillfeste auf der Terrasse, die Kinder tollen auf dem davorliegenden Spielplatz rum. Nicht zuletzt sind die Wohncafés ein sicherer Anker bei Fragen rund um verschiedene Dienstleistungen im Bereich der Pflege und der hauswirtschaftlichen Versorgung. Dort können sich die Quartiersbewohner und ihre Angehörigen beraten lassen und individuell Dienstleistungen abrufen.

Dreimal Geselligkeit und Rat

Drei Wohncafés hat die Bau- und Heimstättenverein Stuttgart eG für ihre Mieter in ihren Wohnungsbeständen im Angebot und leistet damit einen wesentlichen Beitrag zur Mitgliederförderung. Dazu gehört das Wohncafé am Europaplatz 30 im Stadtteil Fasanenhof. Es ist Teil einer Wohnanlage für ältere Menschen der Bau- und Heimstättenverein Stuttgart eG. Das Wohnprojekt wird durch die Paritätische Sozialdienste gGmbH (Pasodi) begleitet.

Im Stadtteil Freiberg gibt es das Wohncafé „Kleine Else“ in der Wallensteinstraße 11b in einem komplett renovierten Bestandsgebäude der Genossenschaft. Und im Stadtteil Giebel hat das Wohncafé Giebel in der Mittenfeldstraße 107 seine Räumlichkeiten. In Freiberg wie in Giebel ist der soziale Kooperationspartner die Else-Heydlauf-Stiftung, in Giebel mit einem eigenen Servicebüro neben dem Café.

Erfolg durch Ehrenamtliche

Lebendig macht die Wohncafés das Engagement der Ehrenamtlichen und die Selbstorganisation der Bewohnerinnen und Bewohner im jeweiligen Quartier. „Der Erfolg des Ehrenamtskonzeptes hängt sowohl vom Engagement der Bewohner und Bewohnerinnen, der jeweiligen Quartiere und der Kooperation zwischen Pflegedienstleister und den Ehrenamtlichen ab“, weiß Alexandra Schäfer aus jahrelanger Erfahrung.

Das Programm in den Wohncafés ist vielfältig und wird in Absprache mit den Bewohnern und Bewohnerinnen gestaltet. Zumeist wird von Montag bis Freitag ein Mittagstisch geboten, dazu ein Nachmittagscafé. In Giebel ist der regelmäßige Eintopftag mit anschließender Bingo-Runde an verschiedenen Samstagen der Renner. Film- oder Spielenachmittage, Vorträge, Gedächtnistraining oder Musik gehören zu den regelmäßigen Angeboten. Je nach Saison gibt es weitere Veranstaltungen.

Am Europaplatz fand mit einer speziell ausgebildeten Fachfrau ein Aufmerksamkeitstraining statt. In Giebel gab es ein Tanzcafé mit einem Alleinunterhalter und in der „Kleinen Else“ kürzlich einen Märchennachmittag. Die unterschiedlichen Angebote „stärken das Zusammengehörigkeitsgefühl und fördern den sozialen Frieden in der Nachbarschaft“, betont Christian Brokate, Vorstand der Baugenossenschaft Esslingen eG und seit Januar 2018 Vorstandsvorsitzender von Integrative Wohnformen e. V. Und er ist überzeugt, dass nicht nur die Menschen in ihren Quartieren von einem generationsgerechten Quartierskonzept profitieren, sondern auch die Kommunen.

Pläne für die Zukunft

Derzeit entwickelt der Verein weitere innovative Projekte in Esslingen und Stuttgart. „Künftig werden auch Quartiersprojekte angestrebt, die den Mieterinnen und Mietern eine 24-stündige Versorgungssicherheit durch ambulante Dienste ohne eine Betreuungspauschale bieten“, kündigt Christian Brokate an. Der Bedarf dafür ist sicherlich vorhanden.

Fotos: Bau- und Heimstättenverein Stuttgart eG